
VerKaufsPraktikum
Die Inhalte dieser Homepage sind ausschließlich für den Unterricht an der LBS Hartberg gedacht!
Lacke
Die Verwendung von lackartigen Substanzen war schon im Altertum bekannt. Die Ägypter balsamierten die Leichen ihrer Könige mit Harzlösungen ein (Mumien). Die frühen asiatischen Lackmalereien wurden mit dem milchigen Saft des Lackbaumes erstellt, der in Japan heimisch ist. Das Wort Lack kommt aus dem Altindischen (Laksha) und bedeutet hunderttausend, womit die unzähligen Lackschildläuse gemeint sind, die dort auf bestimmten Bäumen leben. Ihre Ausscheidungen bilden an den Ästen Verkrustungen, die als Rohschellack gepflückt werden. Bis zur Mitte unseres Jahrhunderts waren neben Ölen Naturharze die Grundstoffe zur Lackherstellung. Heute werden an ihrer Stelle fast ausschließlich Kunstharze verwendet.
Das Wort Lack ist der Oberbegriff für verschiedene Anstrichmittel, deren Filmbildner im Lösemittel gelöst sind. Im Allgemeinen erwartet man von einem Lack gute Durchhärtung und Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Ansprüche und Chemikalien, guten Verlauf und einen bestimmten Glanzgrad (matt, seidenmatt, seidenglänzend, glänzend, hochglänzend).
Lackbindemittel – Filmbildner
Der wichtigste Bestandteil im Lack ist das Lackbindemittel (=Lackkörper, Filmbildner), das eine geschlossene Lackschicht bildet. Lackbindemittel sind Natur- und Kunstharze, Nitrozellulose und Kautschukabkömmlinge. Weichmacher dienen zur Verbesserung und Erhaltung der Elastizität in ölfreien Lacken (Kautschuk-, Nitrozellulose und Polymerisatharzlacke). Als Weichmacher finden Verwendung: nichttrocknende Öle (Rizinusöl) und Ester (Fettsäure- und Phethalsäureester).
Bild: Zusammensetzung Lacke
Fabsits

Lösemittel
Sie lösen die festen Lackkörper und bringen den Lack in streich- und spritzfähige Form. Als Lösemittel finden Kohlenwasserstoff verschiedenster Art Verwendung: Testbenzin, Benzole, Ketone, Alkohole, Ester.
Oxidativ trocknende Lacke
Öllacke
Die Öllacke bestehen aus trocknenden Ölen, (Leinöl, Standöl, Holzöl usw.), Harzen (Kopalen, Kolophonium, Dammar usw.), Lösemitteln (Terpentinöl, Lackbenzin) und Trockenstoffen. Die Anstrichfilme trocknen langsam, in Außenlackqualität wetterfest, neigen aber zu starker Vergilbung. Auf Grund besserer Eigenschaften werden sie durch Alkydharze fast ganz verdrängt.
Alkydharzlacke
Vorzüge der Kunstharzlacke gegenüber Öllacken sind vor allem schnellere Trocknung und größere Widerstandsfähigkeit. Die bedeutendsten Kunstharzlacke sind die Alkydharzlacke.
Außer den ölhaltigen gibt es die mit Acrylester, Epoxiden oder Styrol aufbereiteten Alkydharzlacke. Sie trocknen besonders schnell und weisen besondere Härte, Elastizität, Wetter- und Chemikalienbeständigkeit auf.
Alkydharze sind Verbindungen mit Glyzerin (=Alkohol) Phthalsäure und Fettsäure (Phthalsäure wird aus Teer gewonnen). Als Öle für Glyzerin und Fettsäure dienen Leinöl, Rizinusöl, Sojaöl, Talöl usw.
Je nach Ölgehalt werden unterschieden: Kurzölige Lacke haben eine Ölanteil, der unter 40% liegt. Mittelölige Typen weisen ca. 50% und langölige über 60% Ölgehalt auf. Daneben gibt es noch die überfetten Typen, die 70 – 85% Ölanteile haben. Für lufttrocknende Lacke (Malerlacke) werden hauptsächlich mittel- und langölige Alkydharze verwendet. Die kurzöligen Alkydharzlacke, die nichttrocknende Öle enthalten, werden meist als Spritzlacke in der Industrie verarbeitet. Sie sind wärmetrocknend (offen trocknend), d. h. sie trocknen bei erhöhter Raumtemperatur oder Infrarotbestrahlung. Zum Verdünnen eignen sich Terpentinöl, Testbenzin oder spezielle Lackverdünner.
Alle Alkydharzlacke sind leicht zu verarbeiten, verlaufen gleichmäßig und sind in 5 bis 6 Stunden trocken. Trotz schneller Trocknung bleibt der Anstrich elastisch. Alkydharzlacke lassen sich nach vollständiger Durchtrocknung wieder sehr gut überstreichen, sie sind irreversibel.
Mittelölige Lacke
Sie ergeben besonders harte Lackierungen, die stoß-, kratz-, und schlagfest sind. Man wird sie dort anwenden, wo ein besonders widerstandsfähiger Anstrich verlangt wird: Zäune, Gartenmöbel, Fahrzeuge, usw. Der Auftrag erfolgt in dünner Schicht (nicht schwemmen!!!), weil sonst die Lackierung nicht genügen durchtrocknet und zu Runzelbildung neigt. Nur spezielle Typen eignen sich zur Schwemmlackierung.
Langölige Lacke
Sie vereinen auf Grund des hohen Ölanteils die Vorzüge der Öllacke in Bezug auf Streichbarkeit, Verlauf und Glanz und der Alkydharzlacke bezüglich der schnelleren Trocknung, Härte und Widerstandsfähigkeit. Langölige Alkydharzlacke sind wichtige Lacke für den Maler. Die Trocknung erfolgt physikalisch und chemisch. Die Lösemittel verdunsten aus dem Anstrich, die Kunstharzteile verfestigen, und die Ölteile trocknen durch Sauerstoffaufnahme.
Verwendung
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Hochglänzende Lacke für innen und außen
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gut füllende Beschichtungen
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ventilierende Grund- und Decklacke
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Heizkörperlacke
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Matt-Wandfarben
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Holzschutzmittel und Lasurbeschichtungen
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Thixotrop eingestellte Lacke
Thixotrop eingestellte Lacke und Lackfarben
Thixotrope Anstrichfarben erscheinen in Ruhe wie geleeartige Stoffe und verlaufen nur schlecht. Beim Umrühren und beim Verarbeiten mit dem Pinsel verhalten sich wie Flüssigkeiten. Sie tropfen trotzdem nicht vom Pinsel ab und können in dickeren Schichten auf den Untergrund aufgebracht werden. Unmittelbar nach dem Auftrag wandeln sich thixotrope Anstrichfarben vom Solzustand in den Gelzstand. Diese Eigenschaft wird bei der Herstellung durch Zusätze von Salzen bzw. Säuren bewirkt.
Physikalisch trocknende, ölfreie Lacke
Nitrozelluloselacke
Nitrozelluloselacke (kurz Nitrolacke) zählen zu den reversiblen Anstrichstoffen. Sie trocknen fast ausschließlich auf physikalischem Wege durch Verdunsten des Lösemittels. Beim Überstreichen reiben sich darunterliegende, bereits getrocknete Anstrichschichten durch das Lösemittel wieder auf. Die Verarbeitung erfolgt daher meist im Spritzverfahren.

Zusammensetzung und Eigenschaften
Nitrozellulose (=Kollodiumwolle) entsteht durch Einwirkung von Salpetersäure auf Zellulose (Nitrierung). Als Lösemittel (Nitroverdünnung) dienen Ester, Ketone, Glykole und Benzol. Die Lacke enthalten im Allgemeinen einen geringen Prozentsatz Weichmacher und ergeben wenig elastische, aber sehr harte und dichte Anstriche. Sie sind außerdem wasserfest, licht- und treibstoffbeständig und wegen leichter Entzündbarkeit feuergefährlich.
Je mehr Weichmacheranteile zugesetzt werden, desto mehr nimmt die Härte ab und die Elastizität zu. Auch die Trockenzeit wird vom Weichmacheranteil beeinflusst und beträgt je nach Sorte wenige Minuten bis einige Stunden. Nitrolacke benötigen einen festen, trockenen und ölfreien Untergrund. Auf mit ölhaltigen Lacken beschichteten Flächen sind sie nicht verarbeitbar, mit anderen Anstrichstoffen sind sie nicht mischbar. Die Einstellung der Viskosität erfolgt mit Nitroverdünnung.
Vorsicht: Wegen des hohen Lösemittelanteils, der etwa bei 75% liegt, entstehen beim Auftragen starke Lösemitteldämpfe. Sie stellen für den Maler und Lackierer ein Atmungsgift dar und verursachen u. a. Kopfschmerzen. Für gute Entlüftung ist zu sorgen und eine Atemschutzmaske ist zu tragen.
Verwendung
Nitrolacke gibt es als Klarlacke und Lackfarben, sie werden vor allem in der Industrielackierung verwendet. Als Möbel- und Fahrzeuglacke gelten die harttrocknenden Sorte, während die elastisch eingestellten zur Lackierung von Papier und Leder verarbeitet werden.
Spirituslacke
Spirituslacke sind Lösungen von Naturharzen (Kolophonium), Schellack- und Kunstharzen (Alkydharze, Phenolharze) in Spiritus und Zusätzen von Weichmachern. Sie sind spröde, wenig wetterbeständig und eigenen sich nur für schnelltrocknende Innenlackierungen (z.B. für Spielzeuge, Modelle, Polituren für Holzoberflächen). Wegen der guten abdichtenden Eigenschaften werden sie zum Absperren wasserlöslicher Salze aus dem Untergrund und zum Schellackieren von Ästen verwendet. Mit anderen Bindemitteln sind Spirituslacke nicht vermischbar.
Kautschuklacke
Kautschuklacke sind besonders chemikalienbeständig und enorm widerstandsfähig gegen Einwirkung von Feuchtigkeit. Sie lassen sich jedoch verhältnismäßig schwer verarbeiten. Der Auftrag erfolgt durch Streichen oder Spritzen. Kautschuklacke bestehen entweder aus Naturkautschuk oder Kunstkautschuk in Löse- und Zusatzmitteln,
Naturkautschuk gewinnt man aus Milchsaft (Latex) oder Gummibäume, den man durch Zusatz von Essigsäure zum Gerinnen bringt.
Künstlicher Kautschuk – heute meist verwendet - ist ein Produkt aus Kohle und Kalk (Mischpolymerisat des Butadiens). Die Weiterverarbeitung erfolgt entweder zu Chlorkautschuk oder Cyclokautschuk.
Bild: Glas
Abbildung: Zusammenhang Rohstoffe, Werkstoffe, Hilfsstoffe
Chlorkautschuklacke
Dieser Lack entsteht durch Weiterbehandlung des Kautschuks, dem dabei bis zu 67% Chlor beigefügt wird. Zusätze von Alkydharzen steigern Härte und Widerstandsfähigkeit, Weichmacher fördern die Elastizität und Verarbeitbarkeit. Durch Ölzugabe entstehen besonders wetterfeste Typen. Als Lösemittel dienen Benzol, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Ester und Ketone. Zum Verdünnen von Chlorkautschuk-Lackfarben gibt es eigene Spezialverdünnungsmittel. Die Anstriche sind nicht hitzebeständig, bei andauernden Temperaturen um 60 °C zersetzen sie sich.
Eigenschaften
Kautschuklackfarben zeichnen sich durch große Wasser- und Chemikalienbeständigkeit aus. Gegen aggressive Dämpfe sowie Laugen, Säuren und Salzlösungen sind sie weitgehend widerstandsfähig. Dagegen werden sie von tierischen Fetten, wie Butter, Schmieröl, angelöst und zersetzt. Kautschuklackfarben zählen zu den reversiblen Anstrichstoffen, sie trocknen physikalisch durch Verdunsten des Lösemittels. Ölhaltige Typen trocknen zusätzlich durch Oxidation. Die Trocknungszeit beträgt nur wenige Stunden.
Verwendung
Für chemikalienbeständige Beschichtung (Zementputz, Beton, Asbestzement) feuchte Räume (Bäder, Wäschereien, Wasserbehälter) und für Fahrbahnmarkierungen. Ölhaltige Kautschuklacke finden auch für Eisenschutzanstriche mit Beimenge Verwendung.
Polymerisatharzlacke
Sie entstehen durch Lösen von Polymerisatharzen mit anderen Kunstharzen und Weichmachern in flüchtigen Lösemitteln. Polymerisatharze sind Kunststoffharze, die durch Polymerisation (Festwerden durch Molekülverkettung zu Großmolekülen) erhärten. Es gibt mehrere Polymerisatharze, die sich in den Eigenschaften unterscheiden.
PVC-Lacke
(Polyvinylchlorid-Lacke) und Lackfarben finden, ähnlich wie Chlorkautschuklackfarben, überall dort Verwendung, wo Anstriche besonders beansprucht werden. Sie werden sehr hart und widerstandsfähig gegen Wasser, Chemikalien und Treibstoffe und bilden einen unbrennbaren Film. Ihre Verarbeitung auf Metallen erfordert jedoch einen speziellen Grund-Primer bzw. ein anschließendes Einbrennen, um die nötige Haftfähigkeit zu erreichen.
PMMA-Lacke
(Polymethylmethacryl)-Lacke und –Lackfarben kommen für chemikalienfeste Beschichtungen, Lackierungen auf Metall und als Überzugslacke auf Dispersionsanstrichen in Frage.
ACR-Lacke
(Acrylharzlacke) und –Lackfarben gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Die lufttrocknenden Sorten besitzen alle günstigen, vom Maler und Lackierer erwartenden Eigenschaften. Sie werden vor allem für Anstriche auf Aluminium und Kunststoff eingesetzt. Die ofentrocknenden Typen finden vorwiegend in der Kfz-Lackierung Verwendung. Thermoplastische Acrylharzlacke sind lufttrocknend, sehr wetterbeständige Anstrichstoffe für die verschiedensten Untergründe
Verwendung
Die vom Maler verwendeten Polymerisatharzlacke eignen sich für Metalle (Aluminium, verzinkter Stahl, Zinkblech), für mineralische Untergründe (Beton, Asbestzement, Fassaden), für Holz (Parkett) und Kunststoffe. Die Einstellung der Streich- bzw. Spritzkonsistenz erfolgt mit Spezialverdünnung. Polymerisatharz-Absperrlacke finden für durchschlagende Bitumen-, Teer-, Wasser- und Nikotinflecke Verwendung.
Dispersionslacke
Wasserlacke, die ebenfalls auf Acrylharz basieren, sind zwar Wasser verdünnbar, nach der Trocknung aber nicht mehr wasserlöslich. Wasser verdünnbare Acrylharze erhält man, in dem man bei der Herstellung wasserfreundliche Stoffe (Hydroxylgruppen) in das Harzmolekül einbaut. Die Verarbeitung unterscheidet sich nicht von Lösemittel verdünnbaren Lacken, sie eigenen sich zum Streichen, Rollen oder Spritzen
Reaktionslacke
Wo normale Öl- und Alkydharzlacke den Beanspruchungen nicht gewachsen sind, werden besonders widerstandsfähige Kunstharzlacke eingesetzt. Diese Lacke bestehen zumeist aus zwei Komponenten, dem Stammlack und dem Härter, die vor der Verarbeitung im angegebenen Verhältnis gemischt werden. Daneben gibt es auch Einkomponenten-Materalien.
Durch Zusammenbringen von Stammlack und Härter setzt eine chemische Reaktion ein, die langsam fortschreitet und nach einigen Stunden zur Erhärtung des Materials führt. Die Zeitspanne, die zwischen dem Beginn der Reaktion und dem Festwerden liegt, nennt der Maler und Lackierer Topfzeit (eng. potfile). Während der Topfzeit, die bei den einzelnen Fabrikaten unterschiedlich ist, muss die Verarbeitung stattfinden. Deshalb darf nur immer so viel Material angesetzt werden, wie voraussichtlich gebraucht wird.
Polyurethanlacke aus Polyester und Isocyanat
Polyurethanlacke (DD-Lacke) bestehen aus Polyester (=Desmophen) als Stammlack und Isocyanat (=Desmodur) als Härter. Pigmentträger bei Lackfarben ist immer der Stammlack. Die chemische Reaktion geschieht durch Polyaddition. Der getrocknete Anstrichfilm ist demnach irreversibel.
Vorsicht: DD-Lacke reagieren auch mit Feuchtigkeit. Der Anstrich wird dabei milchig und unansehnlich und kann klebrig bleiben. Nur auf absolut trockenen Untergründen arbeiten!
Zweikomponentenlacke
Sie bestehen, wie beschrieben, aus zwei getrennten Teilen (Komponenten), die erst unmittelbar vor der Verarbeitung zusammengebracht werden dürfen. Es gibt lufttrocknende, ofentrocknende und lösemittelfreie Typen. Die lufttrocknenden Sorten trocknen bei Normaltemperatur in 4 bis 6 Stunden; die ofentrocknenden benötigen ca. 2 Stunden Trockenzeit bei 80 °C bzw. ca. 1 Stunde bei 120 °C; die lösemittelfreien werden in ca. 30 Minuten fest, ohne dass ihre Anstrichdicke schwindet.
Einkomponentenlacke
Sie stellen einen weiteren Typ unter den DD-Lacken dar. Sie werden bereits gebrauchsfertig in einem Gebinde geliefert und benötigen zum Erhärten Luftfeuchtigkeit. Die Trocknung erfolgt bei Normaltemperatur in ca. 6 Stunden; hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt den Trocknungsvorgang (beschränkt lagerfähig!).
Eigenschaften
DD-Lacke sind dünnflüssige, leicht verarbeitbare Lacke, die gut füllen und sehr harte, glasurähnliche Lackierungen ergeben. Die Anstriche sind gegen Witterungseinflüsse, Hitze, Wasser, Chemikalien, Benzine, Öle, Stoß, Schlag sowie Abrieb sehr widerstandsfähig.
Vorsicht: Bedingt durch chemische Reaktion, entweichen beim Verarbeiten gesundheitsschädigende Dämpfe, die zur Übelkeit führen können.
Verwendung
Auf Holz zur Versiegelung von Fußböden und Tischplatten, auf Putz und Beton in Werkräumen, Laboratorien, Molkereien usw. Die Anstriche können auch auf alkalisch reagierenden Untergründen ausgeführt werden, da sie nicht verseifen. Sie sind ebenso für Metalle, z.B. für Karosserien und Flugzeuge, und für Hartkunststoffe geeignet. Außerdem finden sie Anwendung auf Zementfußböden, Asbest, Papier und Gummi. Die Einstellung der Streich- und Spritzfähigkeit der Lösemittel verdünnbaren Typen wird mit Spezialdünner vorgenommen.
Epoxidharzlacke
Epoxidharzlacke sind durch chemische Reaktionen trocknende Anstrichstoffe, die es in mehreren Varianten als Ein- und Zweikomponenten-Lacke gibt. Sie zeichnen sich als gut haftenende, besonders harte und abriebfeste, wetter- und chemikalienbeständige, elastische Lacke aus. Auch gegen tierische und pflanzliche Fette sind sie absolut beständig. Bestimmte Sorten sind hochwertig korrosionsschützend. Gut absperrende Grundanstrichstoffe basieren ebenfalls auf Epoxidharzlacken. Wie bei Polyurethanlacken gibt es hier Ein- und Zweikomponentenmaterialien.
Zweikomponentenlacke
Sie weisen als Stammlack das Epoxidharz auf, als Härter dienen Polyamine. Durch Mischen beider Teile setzt die chemische Reaktion (Polyaddition) ein, die allmählich fortschreitet und zur vollständigen Erhärtung auch in dicken Schichten führt.
Vorsicht: Polyamine sind giftig, sie greifen die Haut an und stellen ein Atmungsgift dar. Deshalb Hautschutzcreme und Schutzbrille verwenden und für gute Entlüftung sorgen
Kalthärtende Epoxidharzlacke
Sie benötigen zur Trocknung warme Temperaturen (mindestens 20 °C), der Ablauf der Reaktion vollzieht sich sonst nur zögernd. Im Normalfall erfolgt die Trocknung in 3 bis 6 Stunden. Geeignet sind sie für Grund- und Deckanstiche auf nahezu allen Untergründen. Sie bilden korrosionsschützende und chemikalienfeste Anstriche.
Lösemittelfreie Flüssigkunststoffe
Sie sind chemisch gesehen, den kalthärtenden Sorten ebenbürtig. Sie eignen sich ebenfalls für die verschiedensten Untergründe, können aber auch in dicken Schichten mit Streich- und Spachtelwerkzeugen (Kelle) aufgebracht werden. Sie trocknen in ca. 12 Stunden - ungeachtet der größeren - Schichtdicke vollständig aus. Sie werden bevorzugt zum Korrosionsschutz und zum Beschichten mineralischer Untergründe (Fussböden, Schwimmbecken) eingesetzt.
Lufttrocknende Epoxidharzlacke
Sie sind mit Ölen abgewandelte Epoxidharze. Die Trocknung geschieht daher durch Sauerstoffaufnahme (oxydativ) in ca. 6 Stunden bei Normaltemperatur. Neben den Alkydharzlacken stellen sie schnelltrocknende „Malerlacke“ für Innen- und Außenarbeiten dar. Sie eignen sich für sehr haltbare Korrosions-, Grundierungs- und Fussbodenanstriche.
Eigenschaften
Epoxidharzlacke und –lackfarben erben seidenglänzende bis glänzende Anstriche von hoher Festigkeit und Widerstandskraft gegen Säuren, Laugen, Lösemittel, Treibstoffe, Fette, Öle und Korrosion. Sie trocknen verhältnismäßig rasch und härten in 5 bis 10 Tagen durch. Die Einstellung der Streich- und Spritzkonsistenz erfolgt mit Spezialverdünnung. Lufttrocknende Malerqualitäten werden mit Testbenzin verdünnt.
Verwendung
Epoxidharzlacke und –lackfarben eigenen sich für alle mineralischen Untergründe, für Metall, Holz und Kunststoffe, die fest, griffig und frei von Öl und Fett sind. Sie sind bewährte Unterwasseranstriche (besonders in Verbindung mit Teer). Ihre Verwendung erstreckt sich auf alle Beschichtungen für höchste Ansprüche an Fahrzeugen, Maschinen, Schiffen und im Bauwesen.
Polyesterlacke – Kunststoffe aus ungesättigten Polyesterharzen
Polyesterlacke sind Flüssigkunststoffe, die als Zweikomponentenlacke im Handel sind. Sie haben im Allgemeinen eine sehr kurze Topfzeit und müssen gleich nach dem Vermischen verarbeitet werden. Der Maler bedient sich daher des problemlosen Aufbringens mit der Spritzpistole. Es gibt auch spezielle Pistolen, die auf Grund des Zuführungssystems die beiden Komponenten erst im Spritzstrahl mischen. Polyesterlacke und –lackfarben ergeben äußerst widerstandsfähige, harte und gleichzeitig elastische Beschichtungen.
Der Stammlack besteht aus ungesättigten Polyesterharzen, die in Styrol (=spezielles Lösemittel, ein Kohlenwasserstoff) gelöst sind. Beschleuniger in Form von Kodaldverbindungen lösen nach der Härterzugabe die chemische Reaktion aus. Bei Polyesterlackfarben sind die Pigmente im Stammlack eingebaut. Als Härter dient Peroxid, das in Weichmachern gelöst und mit Lösemitteln verdünnt ist.
Vorsicht: Der Umgang mit Peroxiden erfordert äußerste Vorsicht, da schon kleinste Mengen gefährliche Verätzungen an Händen und Augen verursachen können.
Trocknungsvorgang
Sind Lack und Härter zusammengebracht, setzt sofort die chemische Reaktion ein (Starttemperatur ca. 18 °C), die bei den meisten Flüssigkunststoffen durch Eindickung in 20 bis 30 Minuten soweit fortgeschritten ist, dass das Material nicht mehr verarbeitet werden kann. Der Lack härtet auch in dicker Schicht von innen nach außen ohne Schichtdickenverlust.
Eigenschaften
Die Beschichtungen sind sehr hart und widerstandsfähig gegen Wasser, Lösemittel, Chemikalien und Abrieb. Die Lackfilme sind unbrennbar. Neben Lacken und Lackfarben gibt es Grund- und Zwischenanstrichstoffe bzw. Spachtelmassen auf der Basis von Polyesterharzen.
Verwendung:
Polyesterlacke und –lackfarben werden zum Beschichten von Hölzern (Furniere), Hartfaserplatten, Metallen und Beton verwendet. Die Untergründe müssen vollkommen sauber, harz- fettfrei und trocken sein. Stammlack und Härter werden nach Vorschrift gemischt. Topfzeit beachten! Nach Ablauf dieser oft sehr kurzen Zeit dickt der Lack ein und kann nicht mehr verarbeitet werden. Der Auftrag erfolgt am besten durch Spritzen oder Gießen in dickeren Schichten. Die Lackierungen können geschliffen und auspoliert werden
Lackzusatzstoffe
Sie werden vor allem in verhältnismäßig kleinen Mengen (0,1-3%) bei der Herstellung der verschiedenen Lacke verwendet. Sie beeinflussen Verarbeitungseigenschaften wie Verlauf, Verstreichbarkeit, Viskosität, usw.
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Trockenstoffe
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Sikkative werden verwendet als Trocknungsbeschleuniger in Öl- und Kunstharzlackfarben. Trockenstoffe sind Metallseifen, die in Lösemittel gelöst sind.
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Als Metallseife wird Blei, Mangan oder Kobalt verwendet. Fabrikmäßig hergestellte Farben und Lacke dürfen nicht nachsikkativiert werden. Es können Verspröden, Runzelbildung und Farbtonveränderung die Folge sein.
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Mattierungsmittel
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Salze der Stearinsäure, Talkum, usw.
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Verlaufmittel
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Siliconöle, langsam verdunstende Lösemittel
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Antihautmittel
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langsam trocknende Öle, bestimmte Lösemittel
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Schwebemittel
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großvolumige, leichte Spezialpigmente, Kieselsäurepräparate
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Ventilierende Stoffe
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Quarz- oder Kieselgur, in Verbindung mit geeigneten Bindemitteln für Grund- und Zwischenfarbanstriche
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Thixotropiemittel
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Kieselsäurepräparate, Anlagerung von Polyamiden an Öl- oder Akydharzen
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Härter
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Lufttrocknende Kunstharzlacke können spezielle Zusätze von Härter-Produkten auf Isocyanat-Basis enthalten
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Härter für Zweikomponentenlacke
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als Reaktionsauslösemittel bei allen Polyadditionslacken
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Fungizide, Bakterizide
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wirksame Zusätze gegen Pilze und Bakterien
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Weichmacher
langsam verdunstende organische Substanzen, die die Einfriertemperaturen, die Härte und Elastizität, auch das Haftvermögen von Lacken und Kunststoffen verändern können; ohne chemische Reaktion. Gefahren jedoch durch Weichmacherwanderung.